Vent des Forets - Kunstwerk (Foto: SR)

Inspiration aus der Natur: Wandern entlang von Skulpturen

Weit ab der Zivilisation, in einem lothringischen Wald bei Saint-Mihiel, findet man das Kunstprojekt „Vent des Forets“ - der „Wind der Wälder“. Seit 20 Jahren kommen jeden Sommer Künstler in die Gegend und gestalteten neue Skulpturen entlang der Rundwanderwege. Solange wohnen die Künstler bei Einheimischen, die sich mit viel Engagement um den Erhalt der Werke kümmern. In einem davon kann man sogar mitten im Wald übernachten.

Utopia ist noch weit. Aber schon in der Nähe des kleinen lothringischen Dorfes Lahaymeix liegt eine fantastische Welt. Hier – zwischen Weizenfeldern und Wald haben sechs umliegende Dörfer vor zwanzig Jahren das Kunstprojekt „Vent des Forets“ begründet. Jedes Jahr kommen rund acht Künstler hierher, um bei den Dorfbewohnern zu wohnen und zu arbeiten. Einer von ihnen ist Eric Croes aus Brüssel. Er töpfert Nistkästen – die an einer Scheune im Dorf angebracht werden sollen. Eingeladen hat ihn der künstlerische Leiter Pascal Yonet. Seit neun Jahren ist er Herz des Projektes – der Mann, bei dem alle Fäden zusammenlaufen:

“Weil unsere Künstler sich vor allem selbst neu finden müssen – denn wir sind hier in einer dörflichen Umgebung – ist die Arbeit für sie anders als sonst. Die Künstler müssen bereit sein, sich auf das Abenteuer dieses für sie neuen Umfelds einzulassen.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 04.09.2017, Länge: 5:37 Min.]
Inspiration aus der Natur: Wandern entlang von Skulpturen

Beste Bedingungen für die Künstler

In einer Schmiede im Nachbarort arbeitet das Künstlerduo „Nøne Futbol Club“. Sie haben mehrere Projekte. Gerade entsteht eine drei Meter hohe Skulptur in Form eines Brenneisens mit der Botschaft: „Keep Warm Burnout the Rich“ - „Haltet euch warm, brennt die Reichen aus“, einen alten Punk-Slogan aus den 1990er Jahren, den die beiden an einer Mauer in Athen entdeckt hatten. Jetzt geht es an die Umsetzung: Die beiden Künstler schweißen die Buchstaben selber und sind begeistert von den Bedingungen unter denen sie hier arbeiten können:

„Das Gute ist, dass wir hier Möglichkeiten haben, die wir sonst nicht hätten – wie diese große Skulptur zu schaffen. Wir leben sonst in Paris, da ginge das nicht. Alles ist teuer. Wir könnten sie gar nicht transportieren. Hier ist das kein Problem. Es kommt jemand mit einem Traktor, und holt sie – alles ist viel einfacher.“

„Und jedes Mal, wenn wir irgendwohin gehen, um ein Projekt zu realisieren, lernen wir wieder neue Leute kennen. Und daraus entstehen wieder neue Projekte – die Dinge entwickeln sich endlos weiter.

„Wir könnten zehn Jahre bleiben.“

Getragen von vielen Freiwilligen

Finanziert wird der Verein vom Staat, der Region, dem Departement und den Kommunen. Viele Dorfbewohner und lokale Handwerker sind bei den Projekten eingebunden. So wie der Schmied Dominique Rennesson. Den Arbeitsplatz in seiner Werkstatt hat der künstlerische Leiter Pascal Yonet dem Künstlerduo vermittelt:

„Wie sie hier aufgenommen werden, ist eine Bereicherung für die Künstler. So können sie noch präziser arbeiten, unter technischer Anleitung. Denn sie kennen nicht unbedingt die notwendigen Techniken für die Umsetzung. Meine Rolle ist, ihnen manuelles Können zu vermitteln, damit die Werke so aussagekräftig und gelungen werden, wie irgend möglich.“

Übernachten mitten im Wald

Die Werke liegen verstreut an sieben Rundwanderwegen in dem rund 5000 Hektar großen Waldstück. Gehzeit - je nach Runde - zwischen ein und vier Stunden. Rund 100 Kunstwerke warten darauf von den Wanderern entdeckt zu werden. Eines davon: die Hütte „Le Nichoir“ - „das Vogelhäuschen“ – entworfen von dem Pariser Designer Matali Crasset. Man kann sich hier einmieten, um den Wald noch einmal anders zu erleben indem man dort im Schlafsack übernachtet. Die platzsparende Einrichtung ist funktionell, ohne großen Komfort und doch heimelig.

45 Kilometer Wanderwege

Allen Kunstwerken gemein ist, dass sie sich in die Natur integrieren und auf ihre Umgebung abgestimmt sind. Die Werke werden jedes Jahr restauriert – von Zivildienstleistenden und freiwilligen Helfern aus der Region - wie Maryse Gentilhomme. Sie ist seit Beginn des Projektes mit dabei:

„Das ist eine Liebesgeschichte. Ich habe die ganzen 45 Kilometer  Wanderwege ausgeschildert. Das ist so, als wenn man die Menschen an die Hand nimmt, um sie in den Wald zu führen und ihnen die Arbeiten zu zeigen. Anfangs musste man vier Kilometer laufen, um ein einziges zu sehen. Und nun gibt es so viele. Das ist wunderbar. Auch für unsere kaum bewohnte Region, in der sonst so wenig passiert. Zumindest hier gibt es etwas Größeres.”

Etwas Größeres – mittlerweile überregional bekannt in Frankreich.  Erdacht von einem Bürgermeister und einem Künstler - und getragen von einer ganzen Region. Sozusagen eine wahr gewordene Utopie.

Adresse:

Vent des Forêts, Espace rural d’art contemporain
Mairie, 21 rue des Tassons
55 260 Fresnes-au-Mont
Frankreich
Telefon : 0033 (0)3 29 71 01 95
E-Mail: contact@ventdesforets.org
Internet: www.ventdesforets.com

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