Wir im Saarland: Barfußpfad - Lehmbecken am Barfußpfad (Foto: SR)

Tour de Kultur: Barfuß-Wanderpfad in Bad Sobernheim

Im rheinland-pfälzischen Bad Sobernheim befindet sich der längste Barfußpfad Deutschlands. Auf 3,5 Kilometer Strecke geht es unter anderem durch ein Lehmstampfbecken, eine Furt und über eine Hängebrücke. An warmen Tagen kommen über 2000 Besucher zum Barfußwandern. WimS - Grenzenlos hat den Pfad getestet.

Ohne Schuhe und Strümpfe sitzt Reporterin Julia Leiendecker auf einer Bank und betrachtet ihre Füße:

„Die beiden werden heute eine tragende Rolle spielen, denn ich will mal schauen, wie sie ohne schützendes Schuhwerk zurechtkommen. 3,5 Kilometer ist er lang, der Barfußpfad in Bad Sobernheim und beginnen wollen wir am Lehmstampfbecken.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 28.08.2017, Länge: 5:48 Min.]
Tour de Kultur: Barfuß-Wanderpfad in Bad Sobernheim

Bevor es jedoch richtig zur Sache geht, heißt es Schuhe verstauen und sich den Platz gut merken. Denn wenn das Wetter mitmacht, kommen über 2.000 Besucher am Tag hierher. Ungewohnt ist es allemal durch das schlickige Schlammbecken zu waten. „Guck mal, wie Wildschweine…“, sagt eine Mutter zu ihrem Sohn, dem der Schlamm bis übers Knie reicht. Dann ist endlich Julia Leiendecker an der Reihe:

Dass Lehm eine heilende Wirkung hat, das hat schon Pastor Emanuel Felke vor ungefähr hundert Jahren festgestellt. Und er hat seinen Patienten auch Barfußlaufen in Kombination mit Lehmbädern verordnet. Und genau das, hat man hier auf dem Barfußpfad alles zusammen.“

Gesund und abenteuerlich

Mit netten Lehmstiefeln an den Beinen geht es weiter über Stock und Stein, über Baumscheiben, Rindenmulch, wackelige Wippen und flache Kiesel. Ein regelrecht befreiendes Gefühl einfach mal nur barfuß unterwegs zu sein. Beim Barfußlaufen wird jede Bodenunebenheit von den Muskeln und Bändern unseres Fußgewölbes ausgeglichen – ein gutes Training, das außerdem noch Spaß macht, findet unsere Reporterin:

„Über 200 000 Nervenenden werden beim Barfußlaufen stimuliert, das ist ungefähr genauso wie bei einer Fußreflexzonenmassage. Das Ganze wirkt entspannend, soll sogar den Blutdruck senken, das heißt, nach so einer Wanderung ist man richtig vitalisiert.“

Nach einer Idee von Kurbegründer Pastor Felke

Wer keine Lust hat, den Lehm am Bein trocknen zu lassen, kann sich unterwegs an einer Wasserpumpe davon befreien. Oder an dem kleinen Fluss, auf den der Pfad nach einer Weile stößt. An seinem Ufer trifft Julia Leiendecker den Leiter Tourist-Info Bad Sobernheim, Ralf Schneeberger.

Reporterin: „Herr Schneeberger, sie sind jetzt von Anfang an dabei, wie ist man denn auf die Idee gekommen in Bad Sobernheim einen Barfußpfad zu errichten?“

Ralf Schneeberger: „Wir haben ein Tourismuskonzept gemacht und haben uns da auf die Studie verlassen und der Pastor Felke, der Ehrenbürger der Stadt Bad Sobernheim und Kurbegründer ist, hat vor über 100 Jahren den Leuten Barfußgehen empfohlen oder verordnet und da haben wir gedacht – so etwas gibt es noch nicht, da machen wir mal was Neues, was noch keiner hat.

Reporterin: „Wie kam das denn am Anfang an?“

Ralf Schneeberger: „Ja am Anfang hat man uns eher belächelt und das als Spinnerei abgetan. Wir waren die Ersten, es gab keine Vorbilder entsprechend. Und nachdem wir das im Jahr 1992 kreiert hatten, war im nächsten Jahr Hochwasser und Probleme hier an dem nahe, dem kleinen Flüsschen entsprechend. Mittlerweile hat es sich so gut etabliert, dass alle Leute in der Region mit dem Barfußpfad sehr gut leben und es als besonders Aushängeschild sehen sogar.“

Flussüberquerung zum Abschluss

Julia Leiendecker: „Hochwasser ist ja jetzt ein ganz gutes Stichwort. Eigentlich wollten wir gemeinsam durch die Furt, das wird aber heute nix – oder?“

Ralf Schneeberger: „Ja, es gibt mehrere Möglichkeiten den Fluss zu überwinden, die Furt ist heute ein bisschen hoch, weil es in den letzten Tagen etwas geregnet hatte. Es gibt dann alternativ noch eine Holzbrücke, wir haben eine Fußgängerhängebrücke und wir haben noch eine Bootsüberfahrt. Also wir haben 4 Möglichkeiten den Fluss zu überbrücken und ich bin mir auch sicher, dass wir die andere Seite erreichen werden heute noch.“

Dann erstmal Leinen los und mit vereinter Muskelkraft ziehen die beiden ein kleines Boot an einem Seil in Richtung anderes Ufer. Und auch Variante 2 ist nicht übel – auf der 40 m langen Fußgängerhängebrücke über die Nahe ist Balance gefragt. Wer die nicht hat, kann sich zwischendurch immer noch mal festhalten.

Das Fazit von „Tour de Kultur“-Reporterin Julia Leiendecker am Ende des Barfußpfads:

So, unsere Füße sind heute voll auf ihre Kosten gekommen, jetzt ist der Rest auch mal dran, denn dass man doch eine ordentliche Strecke zurückgelegt hat, das merkt man erst ganz zum Schluss – in dem Sinne – zum Wohl.“

Adresse:

Barfußpfad Bad Sobernheim
Staudernheimer Straße 90
55566 Bad Sobernheim
Telefon: +49 160 95 46 55 05
E-Mail: info@barfusspfad-bad-sobernheim.de
Internet: www.barfusspfad-bad-sobernheim.de

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