WimS grenzenlos - der Rosengarten in Saverne (Foto: SR)

Dufte: Der Rosengarten von Saverne

Der Rosengarten im elsässischen Saverne rühmt sich, der zweitgrößte Frankreichs zu sein. 500 verschiedene Rosensorten blühen hier, insgesamt sind es rund 8000 Stöcke. Bewirtschaftet wird der Garten von Ehrenamtlichen. Eine von ihnen ist die 80-jährige Gärtnerin Christiane Oury. Sie zeigt ihr Blumenparadies, aus dem sie sich aber bald altersbedingt zurückziehen wird. Wie geht es dann weiter mit der Roseraie? Denn selbst wenn der Garten finanziell vorerst abgesichert ist – seine Seele sind die „bénévoles“, und denen fehlt es an Nachwuchs.

Wer im Sommer durch den Rosengarten von Saverne spaziert, ist wie betört von Farben und Düften. Für Christiane Ouryist er Sehnsuchtsort und Arbeitsplatz zugleich. Seit fast vierzig Jahren ist sie im Verein der Rosenfreunde aktiv. Mehrmals pro Woche steht sie am Einlass, verkauft Rosenprodukte oder bewirtet Besuchergruppen. Der Garten begleitet sie schon ihr Leben lang:

„Wir wohnten gleich hier in der Rue de la Roseraie. Als Kinder war der Garten für uns ein Spielplatz. Wir gingen ein uns aus, wie wir wollten. Das war nicht so wie heute. Wir verbrachten ganze Sonntage hier. So machten es viele Leute. Für die Einwohner von Saverne war der Rosengarten wie ein Familienmitglied.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 28.08.2017, Länge: 4:51 Min.]
Dufte: Der Rosengarten von Saverne

Rosen brauchen liebevolle Pflege

Ein Rosenliebhaber gründete 1898 den Verein elsässisch-lothringischer Rosenfreunde und kaufte das Terrain am Rand der Stadt. Ende der 20er Jahre zählte der Verein über 4000 Mitglieder. Heute sind es nur noch wenige Aktive. Ein Problem, denn der Garten lädt nicht nur zum Flanieren ein. Die rund 8000 Rosenstöcke wollen gehegt und gepflegt werden. Louis Strohl, ehemaliger Präsident des Rosenvereins, weiß das nur zu gut:

„Die Rose produziert nicht nur Blüten. Sie bildet auch Früchte und Samen, um sich fortzupflanzen. Wenn nun der böse Gärtner kommt und die Blüte mit den Samen abschneidet, dann verhindert er die Vermehrung. Der Rosenstock hat also seine Aufgabe nicht erfüllt und wird neue Kraft sammeln, um noch einmal zu blühen. Dann geht der Kreislauf von vorn los.“

Internationaler Rosenwettbewerb

Louis Strohl war früher Lehrer und widmet seine Zeit nun dem Gärtnern und dem Studium der Rosensorten. Er hilft auch bei der Vorbereitung von Veranstaltungen wie dem jährlichen Rosenfest und betreut den internationalen Wettbewerb um die schönste Neuzüchtung:

„Saverne ist eine von nur vier Städten in Frankreich, die einen internationalen Wettbewerb ausrichten. Um teilnehmen zu können, müssen die Bewerber eine ganz neue Sorte züchten. Sie schicken sie hierher, wo die Gärtner sie einpflanzen und pflegen. Nach zwei Jahren sind die Pflanzen groß genug. Dann versammelt sich die Jury und vergibt Gold- und Silbermedaille und den Preis für den besten Duft.“

Gemeinsame Rosenliebe verbindet

Als Frau eines Eisenbahners musste Christiane Oury oft umziehen. Nach dem Tod ihres Ehemanns zog es sie wieder zurück in die Stadt der Rosen. Und prompt wurde sie vom Verein der Rosenfreunde eingestellt. In der Saison verbrachte sie jeden Tag hier ohne des Anblicks müde zu werden. Und heute ist sie dank des Gartens nicht mehr allein:

„Ich habe zwar noch meine eigene Wohnung dort drüben, aber ich wohne jetzt bei meinem Freund. Den habe ich auch hier im Rosengarten kennengelernt. Er war allein, ich war allein, sogar 37 Jahre lang. Das war dann doch genug! Wir haben uns im Verein kennengelernt und leben jetzt zusammen.“

Jeden Freitag treffen sich die Freiwilligen zum Rosenschneiden. Louis Strohl ist immer dabei, um sein Wissen weiterzugeben. Er wird mittlerweile auch zu Wettbewerben nach Lyon und Baden-Baden eingeladen. So kam er auch zu dieser Rose:

„Was für ein Duft! Wunderbar! Sie ist schön, die Pflanze ist gesund. Sie hat keine Krankheiten. Und sie blüht bis in den Herbst hinein. Deshalb ist sie mein kleiner Liebling.“

Ein Herzensprojekt

Neben der Arbeit an den Blumen finden die Vereinsmitglieder hier Gemeinschaft. Regelmäßig veranstalten sie gesellige Abende oder Tanztees. Für Christiane sind die langen Tage im Garten inzwischen aber auch anstrengend. Ihre Kinder sind der Meinung, sie solle etwas kürzer treten. Christiane sieht das anders:

„Für mich ist die Roseraie mein Leben. Ich hänge sehr an ihr. Und ich mache die Arbeit hier gern. Ich kümmere mich um die Leute und komme mit vielen Menschen ins Gespräch. Sie kommen aus der ganzen Welt zu uns. Nun ja, vor kurzem habe ich meinen achtzigsten Geburtstag gefeiert. Und habe mich entschlossen bald aufzuhören - zumindest nicht mehr hier zu arbeiten. Aber das wird mir hier drin, im Herzen, wehtun.“

Die Existenz des Gartens ist zwar finanziell gesichert. Lebendig bleibt dieses Paradies jedoch nur durch Menschen wie Christiane und Louis.

Adresse:

Roseraie
1 Rue du Feu
67700 Saverne
Frankreich
Internet: http://roseraie-saverne.fr

Öffnungszeiten:

20. Mai bis 3. September täglich 10-19 Uhr
4. September bis 1. Oktober täglich 14-18 Uhr

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