(Foto: SR)

Tour de Kultur: Neu trifft Alt in Belval

Belval ist in vielen Köpfen noch das schmuddelige Industriegebiet, in dem die Hochöfen bis in die Neunziger Roheisen produzierten. Doch Belval ist auch der neue Campus von Esch-sur-Alzette. Auf der grünen Wiese entsteht hier ein ganz neues Stadtviertel, in dem Altes auf modernste Architektur trifft. Michael Schneider hat das gewagte Experiment zu Fuß erkundet. 

Eindrucksvoll – gewagt – mit Ecken und Kanten. Die Architektur von Belval. Auf der grünen Wiese entsteht hier ein Stadtviertel der besonderen Art. Es ist ein gewaltiger Transformationsprozess. Unser Tour de Kultur-Reporter Michael Schneider ist mittendrin für uns unterwegs:

„Jung, modern und urban. So präsentiert sich der Süden Luxemburgs. Heute sind hier vor allem Studenten und die Kreativindustrie zu Hause. Aber das war nicht immer so. Denn Belval hat eine lange Geschichte. Und es lohnt sich, die zu entdecken.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 19.06.2017, Länge: 5:01 Min.]
Tour de Kultur: Neu trifft Alt in Belval

Reste der Industrievergangenheit

Und das ist in Belval vor allem: Industriegeschichte. Hier schlug einst das Herz der luxemburgischen Eisenerzeugung. Die großen Hochöfen erinnern an lautere und schmutzigere Zeiten. Vor zwanzig Jahren fand in Belval der letzte Abstich statt. Guy Bock war damals Obermeister am Hochofen. Heute führt er Besucher durch seine alte Wirkungsstätte:

„Hier wurde Roheisen und Schlacke abgestochen. Vor 20 Jahren, vor dem letzten Abstich, da waren wir relativ traurig. Weil wir hier das Ende der Roheisenproduktion in Luxemburg eingeleitet haben. Das war eine gedrückte Stimmung. Aber wir haben den Ofen trotzdem sauber stillgesetzt.“

Der Dreck ist weg, die Anlagen bleiben. Belval hat sich entschieden, Altes zu erhalten und mit dem Neuen zu verbinden. Die Hochöfen als begehbares Museum, mitten im modernen Geschäfts- und Univiertel. Das 20. und das 21. Jahrhundert reichen sich hier die Hand. Ist das in den Augen von Guy Bock gelungen?

„Ich denke, dass das Ganze ganz gut geplant ist. Und man darf ja auch nicht vergessen: Als die Hochöfen noch in Betrieb waren – das war eine verbotene Stadt. Da konnte niemand rein. Und der Zweck dieser Anlagen hier jetzt, die ist ja auch dem Publikum zugänglich und man kann dem Publikum das zeigen.“

Panoramablick vom Hochofen

Nirgendwo wird der Wandel deutlicher sichtbar, als von der Spitze des Hochofens aus. Ein Aussichtspunkt, 40 Meter über dem Boden. Panorama der Minette-Region, die einst für den Wohlstand des Großherzogtums sorgte. Und heute zum Aushängeschild Luxemburgs umgestaltet wird. Reporter Michael Schneider ist froh, dass er den Aufstieg gemacht hat:

„Von hier oben kann man eigentlich in Echtzeit dabei zugucken, wie eine neue Stadt entsteht. Mit Wohnungen, mit Kulturangeboten, mit Unigebäuden. Und allem, was dazu gehört. Das Einzige, was mir jetzt fehlt, sind noch ein paar Flecken Grün zwischendrin. Aber das kann ja noch kommen.“

Denn Belval ist noch lange nicht fertig. Nach dem Ende der Eisenproduktion übernahmen hier Stadtplaner und Architekten. Heute sind die Mitarbeiter des Fonds Belval für das Gelände zuständig - sie planen die Wissenschaftsstadt Cité des Sciences. Umwandlung mit Traditionsbewusstsein, erklärt Luc Dhamen vom Fonds Belval:

„Wir sind an einer Stelle, wo Geschichte geschrieben wurde. Wo der Reichtum des Landes erstellt wurde, wo auch viel gearbeitet wurde, wo es schwer war zu arbeiten. Und wie geht man jetzt damit um? Die Grundidee war die, kein musealisches Projekt zu machen, sondern ein lebendiges Stadtviertel.“

Alt neben Neu - ein Experiment

Ein Stadtviertel, das auf dem Reißbrett entsteht. Schwierig, das auch mit Leben zu füllen – aber Luc Dhamen glaubt, dass der erste Schritt getan ist:

„In den letzten zwei Jahren ist wirklich sehr viel passiert. In dem Sinne, dass die Universität jetzt hier ist und die Studenten an Ort und Stelle sind. Und quasi 50 Prozent der Uni sind jetzt in Belval. Das hat man in den letzten ein, zwei Jahren gemerkt, dass die Uni eingezogen ist.“

Es passiert etwas im Süden Luxemburgs. Aus Alt wird neu – mit markanter Silhouette, frischer Architektur, und viel viel Geld – 1 Milliarde Euro hat der Fonds Belval hier schon verbaut, am Ende sollen es noch einmal 700 Millionen mehr werden. Ein spannendes Experiment. Am Ende soll ein harmonisches Gesamtbild entstehen: Geschichte, Moderne und Lebensqualität. Das Fazit von Tour de Kultur-Reporter Michael Schneider:

„Ein kleines Fleckchen Grün habe ich dann am Ende doch noch gefunden. Das muss man schnell ausnutzen, denn wer weiß, ob hier nicht bald die nächsten Gebäude stehen. Ja, das ist eben das Spannende an Belval: Man kann immer wieder kommen und jedes Mal was Neues entdecken.“

Adresse:
Le Fonds Belval
1, avenue du Rock'n'Roll
L-4361 Esch-sur-Alzette
fb@fonds-belval.lu
Telefon: +352 26840-1
Fax: +352 26840-300

Führungen

Öffnungszeiten: vom 1. April bis 29. Oktober, mittwochs bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 14 bis 18 Uhr.
Eintritt: 5€, ermäßigt: 3€ (-18 und +65), Kinder bis 14 Jahre (in Begleitung eines Erwachsenen) frei.
Eingang: Halle des poches à fonte, Avenue du Rock’n’Roll / Avenue des Hauts Fourneaux, Esch-sur-Alzette
Reservierung über: visite@fonds-belval.lu
Internet: www.fonds-belval.lu

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