Teil der Ausstellung im Garten des Schlosses Clervaux (Foto: SR)

Tour de Kultur: die ‚größte Fotoausstellung aller Zeiten‘ in Clervaux

Die Ausstellung "Family of Man" des Fotografen Edward Steichen ist durch 68 Länder gereist und wurde von mehr als 10 Millionen Menschen angeschaut. Sie gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe und ist seit über zwanzig Jahren dauerhaft im luxemburgischen Clervaux untergebracht. Der Ort hat sich zu einer Hochburg der Fotografie gemausert.

Im Interview: Sprachwissenschaftler Dr. Philipp Krämer, FU Berlin, über sein Forschungsprojekt zur Frankreichstrategie des Saarlandes.

Bis Luxemburg Stadt fährt es sich einigermaßen zügig, aber der Weg Richtung Norden in die Ardennen zieht sich. In einem kleinen Tal versteckt, findet unsere Reporterin Julia Leiendecker den Ort Clervaux:

„Mal ganz ehrlich, das war jetzt eine ziemliche Juckelei bis ich endlich hier war. Fast 2 Stunden war ich unterwegs, auch durch ziemlich abgelegene Regionen und ich muss sagen – auch Clervaux ist nicht gerade riesig. Umso spannender die Frage, wie viele Besucher heutzutage überhaupt den Weg hierher finden, um sich die weltberühmte Ausstellung anzuschauen.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 29.05.2017, Länge: 4:50 Min.]
Tour de Kultur: die ‚größte Fotoausstellung aller Zeiten‘ in Clervaux

Imposant ist sie auf jeden Fall – die dauerhafte Heimat der „Family of Man“. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wurden das Schloss Clervaux und die Ausstellung darin vor 4 Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jetzt ist alles perfekt auf die Präsentation und den Schutz der berühmten Bilder ausgelegt. Kuratorin Anke Reitz betreut die Ausstellung seit 2 Jahren.

Reporterin: „Frau Reitz, warum ist jetzt diese weltberühmte Ausstellung ausgerechnet hier in Clervaux gelandet?“

Anke Reitz: „Sie ist auf Wunsch von Edward Steichen hierhin gekommen. Also nach der Schenkung an den Luxemburger Staat, ist er noch mal ins Land gereist und er hat dann verschiedene Stellen im Land besucht und hier im Schlosshof hat er gestanden und gesagt: „This would be a nice place“. Und man ist dann diesem Wunsch in dem Sinne auch gefolgt, wenn auch 30 Jahre später.“

Fotos zeigen Facetten des Lebens

Mehr als 500 Fotos von Amateuren und Profis hat Edward Steichen in den fünfziger Jahren zusammengetragen. Aufgeteilt in verschiedene Themen wie Liebe, Geburt, Wut und Schmerz, Arbeit und Familie.  So wollte Steichen zeigen, dass letztendlich alle Menschen gleich sind und eine gemeinsame Natur haben.

Kuratorin Anke Reitz: „Für ihn war es wirklich wichtig, dass er auch in Zeiten, wo nicht jeder einen Fernseher zuhause hatte, er den Menschen zeigte, was uns verbindet und dass wir mehr davon haben, als von dem, was uns trennt.“

Reporterin: „Das ist ja eigentlich wieder eine ganz brandaktuelle Geschichte könnte man sagen.“

Anke Reitz: „Ja genau, ich denke, dass die Ausstellung bis heute sehr aktuell ist und wir stellen das immer wieder fest bei unseren Besuchern auch, wie sie auf die Ausstellung reagieren und sagen: „ja im Grunde ist es das noch immer was uns heute fehlt.“ Und wenn wir sehen, wie wir es selbst immer wieder schaffen, die Welt und uns selbst an den Abgrund zu bringen, denke ich, ist es nicht falsch, sich auch dieses Verbindende noch mal in Erinnerung zu rufen.“

Jedes Jahr ein anderes Motto

Reporterin: „Einen echten Schatz beherbergt das Schloss von Clervaux jetzt seit mehr als 20 Jahren. Und weil diese Ausstellung in der Geschichte der Fotografie eine so zentrale Rolle spielt, war es klar, dass man sich hier in Clervaux auch mit der zeitgenössischen Fotografie auseinander setzen möchte. Genau das hat sich die „Cité de l’image“ – die Stadt der Bilder zur Aufgabe gemacht.“

Das Hauptprojekt der Cité nennt sich „Gärten“ – dabei sind mehrere fotografische Installationen frei zugänglich über den ganzen Ort verteilt. Die Themen wechseln jedes Jahr – 2017 heißt das Motto: „Geschichten, die Bilder erzählen“. Annick Meyer ist die Künstlerische Leiterin der Cité de l’image:

„Ja Bilder erzählen – das können erfundene Geschichten sein, das können wahre Geschichten sein. Das kann einen dokumentarischen Charakter annehmen, das kann einen ganz surrealistischen Charakter annehmen. Auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen, ist es dem Medium Fotografie erlaubt, sich auszudrücken.“

Kunst verschmilzt mit dem Ort

Besonders reizvoll sind auch die Orte, an denen die Bilder zu sehen sind. In der Grand rue hängen sie in kleinen Nischen direkt an der Straße. So kommt die Arbeit von Fotograf Christian Tagliavini besonders gut zur Geltung. Unterhalb der Kirche befindet sich ebenfalls eine Installation. Auch hier - perfekt abgestimmt auf das umliegende Ambiente.

Reporterin Julia Leiendecker: „Könnte man jetzt so sagen – Clervaux mausert sich so ein bisschen zur heimlichen Hauptstadt der Fotografie?“

Annick Meyer: „Unter anderen Hauptstädten, ja wir spielen eine kleine Rolle. Clervaux ist ja auch ein kleines Städtchen – ohne „Family of Man“ gäbe es auch keine „Cité de l’image“. Also wir sind sozusagen ein Rahmenprogramm um neben der historischen Ausstellung auch zeitgenössisches fotografisches Schaffen zu zeigen.“

Reporterin: „Ja wir haben gesehen, Fotografie gibt es wirklich reichlich in Clervaux und auch wenn die Fahrt einigermaßen lang ist, bis man hier ist. Es lohnt sich, sich selbst ein eigenes Bild zu machen. Und eins kann ich Ihnen noch verraten, es gibt in Clervaux nicht nur künstlerische Nahrung.“

Adresse:
THE FAMILY OF MAN
Château de Clervaux 

B.P. 31
L-9701 Clervaux
Luxembourg
Telefon: +352 92 96 57
Fax: +352 52 24 24 344
E-Mail: fom@cna.etat.lu
Internet: www.steichencollections-cna.lu

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