Thionville (Foto: SR Fernsehen)

Tour de Kultur: das aufgehübschte Thionville

Jahrzehntelang hatte Thionville den Ruf einer grauen, schmuddeligen Industriestadt. Doch der historische Stadtkern wurde in den letzten Jahren gründlich restauriert. Inzwischen strahlt der gelbe Jaumont-Stein ebenso schön wie im benachbarten Metz. Mit Marktplatz, Belfried, Flohturm und dem spacigen Kulturzentrum „puzzle“ gibt es viel Altes und Neues zu entdecken.

Reporterin Julia Leiendecker beginnt ihre Tour im historischen Zentrum von Thionville. Das liegt direkt am Ufer der Mosel:

"Das hinter mir, das ist schon gleich eines der markanten Gebäude von Thionville – das Rathaus. Ursprünglich war es ja mal ein Kloster, wovon man heute nicht mehr allzu viel sieht. Vielmehr ist dieses Gebäude ein ganz typischer Vertreter für den späten Renaissance-Stil Luxemburgs. Warum das so ist und welche Rolle Luxemburg in der Stadtgeschichte von Thionville spielt – das lasse ich mir gleich von der Fachfrau erklären", meint Julia Leiendecker und deutet mit einem Lächeln auf ihre Begleiterin, die Stadtführerin Elodie Conti.

Thionville gehörte zu Luxemburg

Vom Rathaus aus, führt eine kleine Seitenstraße direkt auf den Place du Marché. Bei schönem Wetter ein beliebter Treff bei Einheimischen und Gästen. Die beiden sind genau im historischen Zentrum, meint Elodie Conti: "Ja, hier sind wir wirklich im Herzen der Stadt – auch heute noch ist das ein wichtiger und belebter Platz. Der Name "Place du Marché" kommt daher, dass hier während des gesamten Mittelalters der Markt abgehalten wurde – es war das wirtschaftliche Zentrum von Thionville."

Reporterin Julia Leiendecker: „Und sieht man hier auch was von den Renovierungsarbeiten?“

Elodie Conti: "Ja, hier hat man sehr viel getan, um die Stadt wieder ansehnlich zu machen. Vor allem die Fassaden wurden umfangreich restauriert – jetzt kommen die ursprünglichen Farben wieder richtig raus – der Platz strahlt wieder."

Einige Schritte weiter befindet sich das höchste Gebäude der Stadt – der Belfried.

Elodie Conti: "Dass wir einen Belfried haben, hängt ganz einfach damit zusammen, dass Thionville im Mittelalter zu Luxemburg gehörte. Darum gibt es hier viele Gebäude, die typisch sind für den Luxemburger Stil – und ein Belfried im Stadtzentrum gehört eben dazu."
Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 24.04.2017, Länge: 6:09 Min.]
Das aufgehübschte Thionville

Flohturm und Überreste der Römer

Es geht durch die älteste Straße der Stadt - die Rue de la Tour zurück zum Rathaus. Im Mittelalter verlief hier die Stadtmauer, von der bis heute noch Reste erhalten sind.

Julia Leiendecker: "Das ist jetzt also der berühmte Flohturm, warum heißt der denn so?"

Elodie Conti:  "Er heißt Flohturm aufgrund eines simplen Übersetzungsfehlers. Thionville ging erst im 17. Jahrhundert an Frankreich, weil es im Mittelalter ja den Grafen von Luxemburg gehörte. Als die Franzosen hierher kamen, hörten sie den Namen "Petzturm", was ein altes luxemburgisches Wort ist, und übersetzten es falsch mit Tour aux puces,  "Flohturm". Dabei bedeutete es eigentlich Brunnenturm und bis heute gibt es im Innern Überreste eines Brunnen."

Daneben beherbergt der Flohturm ein historisches Museum, das sich mit der Geschichte von Thionville und der umliegenden Region befasst. Erstaunliche Funde, schon aus der Römerzeit, sind nur ein Teil der Ausstellung.

Vaterlandsaltar auf der Place Claude Arnoult

Doch Thionville lebt nicht nur in der Vergangenheit – in der Fußgängerzone gibt es eine Vielzahl kleiner Läden. Manchmal entdeckt man an den historischen Gemäuern noch Hinweise auf die ursprünglichen Geschäfte. Auf den Place Claude Arnoult ist Thionville besonders stolz, erklärt Stadtführerin Elodie Conti:

"Wir stehen jetzt vor dem Vaterlandsaltar – dem eigentlichen Schatz von Thionville, denn es ist das letzte Monument dieser Art in ganz Frankreich. Während der Französischen Revolution hatte jede Stadt in Frankreich so einen Altar. Als Napoleon dann an die Macht kam, ließ er sie alle zerstören, weil sie Symbole der Revolution waren und er diese Epoche vergessen machen wollte. Die Leute in Thionville waren aber clever – sie haben den Altar Stein für Stein auseinandergebaut und die Steine einzeln auf einem Friedhof versteckt. So fiel nicht auf, dass dieser Altar nicht zerstört wurde. Jahre später hat man den Altar wieder aufgebaut – so dass er von ursprünglich 36 000 der letzte in Frankreich ist."

Modernes Kulturzentrum

Hypermodern – ein echtes Aushängeschild, ist das „puzzle“ – das im Oktober 2016 seine Pforten öffnete. Das Kulturzentrum bietet Mediathek, Kunst in jeder Form, Workshops und vieles mehr. Auch wenn Touristen hier keine Bücher oder Filme ausleihen können, der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Es finden regelmäßig wechselnde Ausstellungen statt, die IT-Ausstattung ist die modernste in ganz Frankreich und allein die Architektur ist sehenswert. Zum Schluss hat Tour de Kultur-Reporterin Julia Leiendecker noch einen Tipp:

"Von der Terrasse des Kulturzentrums aus, hat man auch noch einen tollen Blick über die Stadt. Und auch wenn einem da immer noch die ein oder andere Bausünde ins Auge sticht – wir wissen, es lohnt sich, mal genauer hinzusehen."

Adresse

Touristeninformation Thionville
31 place Anne Grommerch (place du Marché)
57100 Thionville
Frankreich
Telefon: +33 (0)3 82 53 33 18
Fax: +33 (0)3 82 53 15 55
E-Mail: tourisme@thionville.net
Website: www.thionvilletourisme.fr/de

Artikel mit anderen teilen