Wims grenzenlos - Weinkeller (Foto: SR)

Tour de Kultur: Die Bischöflichen Weinkeller unter der Trierer Altstadt

Rund 1,2 Kilometer lang ist das unterirdische Kellersystem, in dem etwa eine Million Liter Wein lagern. Der älteste Keller wurde vor über 1200 Jahren gebaut. Heute befindet sich hier eine sogenannte „Schatzkammer“ mit alten Flaschenweinen aus den 20er bis 70er Jahren. Zu entdecken gibt es außerdem eine römische Abwasserleitung und die "Kellerkatze".

Heute ist Tour de Kultur-Reporterin Anna Becker bei strahlendem Sonnenschein in der Trier Fußgängerzone unterwegs:

„Frühling in der Trierer Innenstadt. Wer hier zum Bummeln unterwegs ist oder sich die Sehenswürdigkeiten als Tourist anschaut, der vermutet vielleicht gar nicht, dass hier unter uns, wahre Schätze lagern.“

Fasskeller aus den 60ern

Der Herr über die Schätze ist Johannes Becker, der Kellermeister der Bischöflichen Weingüter Trier. Er ist gelernter Weintechnologe und verwandelt die Trauben von rund 100 Hektar Rebfläche an Ruwer, Mosel und Saar zu edlen Tropfen. Sein Reich unter der Erde kann man auf Anfrage besichtigen. Unter der Erde wartet ein Kellersystem von rund 1,2 Kilometern Länge. Darin lagern und reifen rund eine Million Liter Wein. Im jüngsten Teil der Keller liegen knapp 300 Eichenfässer. Dieser Keller wurde in den 60er Jahren gebaut.

Reporterin Anna Becker: „Oben ist Frühling. Aber hier unten ist es ganz schön kalt. Wie kalt denn genau?“
Kellernemeister Johannes Becker: „Also es ist schon sehr kalt. Ich habe gerade mal geschaut. Wir haben da so Temperaturmesser hängen. Wir haben jetzt genau 8,5 Grad und rund 95 Prozent Luftfeuchte.“
Reporterin: „Und was macht das mit dem Wein, wenn es so kalt ist?“
Kellermeisterr: „Für den Wein ist es sehr gut. Allerdings ist es nicht so gut für die, die noch am Gären sind. Dafür ist es infach zu kalt im Moment. Weil die Hefe ist ein Lebewesen und das arbeitet halt, vergärt Zucker zu Alkohol. Optimal arbeiten die natürlich bei 20 Grad. Bei 8,5 Grad ist nicht so ganz gut.“

Ein kuscheliger Bewohner

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 20.03.2017, Länge: 5:19 Min.]
Tour de Kultur: Die Bischöflichen Weinkeller unter der Trierer Altstadt

Aber es lohnt sich der Kälte zu trotzen und tiefer in die Keller hinein zu gehen, in die älteren Tunnel und Räume. Überall an den Wänden gibt es grau-schwarze Flecken. An manchen Stellen ist es nur eine hauchdünne Schicht, an anderen große Fläche über wie von einer dunklen Fließdecke. Kellermeister Johannes Becker, weiß worum es sich handelt:

„Das ist ein Pilz, der nennt sich Kellertuch. Oder es gibt auch den Begriff Kellerkatze, weil der so ähnlich wie ein Katzenfell ist, oder sich so anfühlt. Das ist ein Pilz, der wächst eigentlich überwiegend in Weinkellern. Und der Pilz braucht wirklich Alkohol zum Wachsen. Er braucht aber auch Luftfeuchte von mindestens 85 Prozent. Und er ernährt sich dann von Alkohol, von Essigsäuren, von allem, was im Dunst vom Wein ist, und wächst dann immer weiter.“

Der Pilz reinigt die Luft und verhindert so, dass muffige Gerüche in den Wein ziehen.

Überreste von Römern und Mönchen

Auch in einem kleinen Gang hinter den Eichenfässern hat die Kellerkatze die Wände überzogen. Aber warum hat man den ihn überhaupt so versteckt gebaut? Erwin Engel arbeitet seit fast 40 Jahren als Verkaufsleiter in den bischöflichen Weingütern und weiß fast alles über die Geschichte der Keller:

„Dieser Tunnel ist ein Stück einer römischen Abwasserleitung, die das gebrauchte Wasser vom Bereich Kaiserthermen, Palastgarten runter zur Mosel führte. Die zeigt an, dass das heutige Straßenniveau vier bis sechs Meter über römischem Straßenniveau liegt. Wieso? Trier wurde über die Jahrhunderte immer wieder überfallen, niedergerissen, abgebrannt. Man hat den Schutt nicht weg gefahren, man hat das praktisch aufgestapelt. Und so ist es, wenn man heute irgendwo in der Stadt in die Tiefe gräbt, die Gefahr, dass man auf römische Sachen stößt und das war hier der Fall gewesen.“

Nicht nur von den Römern entdeckt man Überreste, sondern auch von den Jesuiten. Die Mönche haben 1593 einen Keller für ihre Lebensmittel unter dem heutigen Priesterseminar angelegt. Über der Erde steht noch heute die Jesuitenkirche – unter der Erde eine Kathedrale aus Edelstahl. Die Temperatur im Inneren der Kessel kann man regulieren, sodass die Hefen – anders als im Eichenfass - immer die perfekte Gärtemperatur haben.

Schatzkammer mit edlen Tropfen

Der älteste Keller ist rund 1200 Jahre alt. Die Weine hier drinnen sind wahre Schätze, teilweise sogar aus den 1920er Jahren.

Reporterin: „Kann man diese Weine noch trinken?“
Johannes Becker: „Ja, die meisten sind auf jeden Fall noch sehr gut.“
Reporterin: „Und was zahlt man für so eine Flasche?“
Johannes Becker: „Oh je, das kommt immer darauf an, welche Qualität es war. Wenn es jetzt meinetwegen ein Kabinett-Wein war und der ist jetzt 40 oder 50 Jahre alt, würde ich jetzt mal annehmen so ein Preis von um die 100 Euro. Wenn es aber etwas ganz Gutes wäre, wie wir eben zum Beispiel hatten, so eine 49er Beerenauslese, dann kann schon mal ein Preis von drei- bis fünfhundert Euro zusammenkommen.“

Der Rundgang endet ganz hinten im Keller, wo unsere Reporterin gemeinsam mit Herrn Johannes Becker und Erwin Engel einen der Tropfen verkosten darf: „Zum Abschluss von so einer Kellertour da gehört natürlich eine Weinprobe. Wir probieren jetzt keinen alten Wein aus der Schatzkammer, sondern einen von 2015. Ich bin gespannt. Zum Wohl!“

Adresse

Bischöfliche Weingüter Trier
Gervasiusstraße 1
54290 Trier
Telefon: 0651 14 57 60
Fax: 0651 402 53

E-Mail: info@bischoeflicheweingueter.de
Internet: www.bischoeflicheweingueter.de

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