WimS grenzenlos: Senfmühle (Foto: SR)

Tour de Kultur: Die historische Senfmühle in Cochem

In der Senfmühle in Cochem sind die Mahlsteine immer noch regelmäßig in Betrieb – auch wenn nicht mehr ausschließlich auf Wasserkraft gesetzt wird. Europaweit gibt es nur noch sieben Mühlen dieser Art. Das Rezept für den Senf ist allerdings nach wie vor geheim.

Frühmorgens am Ufer der Mosel. Der kleine Ort Cochem liegt im Winterschlaf. Unsere Reporterin Julia Leiendecker ist trotzdem schon auf Erkundungstour: „Ja richtig idyllisch ist das hier unten am Ufer. Aber um die schöne Aussicht geht es uns heute nicht, denn der Fluss, der hatte früher eine ganz wichtige Funktion. Er diente dazu ganz unterschiedliche Mühlen anzutreiben – mittlerweile verlässt man sich nicht mehr ausschließlich auf die Wasserkraft, aber die Mahlsteine drehen sich noch immer in der Senfmühle von Cochem und genau die schauen wir uns heute an.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 30.01.2017, Länge: 5:46 Min.]
Tour de Kultur: Die historische Senfmühle in Cochem

Senf - Ein Gewürz mit langer Tradition

Senf blickt auf eine lange Geschichte zurück – bereits vor 3000 Jahren schätzte man das Gewürz in China. Auch in unserer Region wurden Senfkörner traditionell mit Mahlsteinen kalt gepresst. In der Senfmühle trifft Julia Leiendecker Detlef Golm. Er arbeitet schon seit vielen Jahren hier.

Julia Leiendecker: „Das ist jetzt eigentlich ganz einfach, wenn ich wissen möchte, wo hier was los ist, muss ich nur meiner Nase folgen und die bringt mich genau hier hin. Was passiert denn jetzt hier Herr Golm?

Detlef Golm: „Ja, wir setzen jetzt die Maische an. Wir wollen ja, wir müssen ja Senf machen und dazu müssen wir immer frische Maische haben, damit wir das auch vermahlen können, damit wir auch den Senf immer vorrätig haben.“

Julia Leiendecker: „Was genau kommt denn da jetzt alles rein?

Detlef Golm: „Da kommt die gelbe Senfsaat rein, die ich gerade am Reinschippen bin, dann kommt nachher die braune Senfsaat dabei, Essig, bisschen Zucker, bisschen Salz und Gewürze, aber da werd‘ ich ihnen nicht viel drüber verraten dürfen oder können. Das ist ein Geheimrezept, was da an Gewürzen dabei kommt. Wenn die Kunden immer fragen, sagen, wie das geheim ist, ich sag: das ist nicht geheim, das ist streng geheim. Das darf überhaupt keiner wissen.“

Julia Leiendecker: „So, jetzt muss ich, ich merke langsam die Maisch – die Augen, ich kann sie gar nicht mehr aufhalten, ist ganz schön scharf hier?

Detlef Golm: „Ja, das kommt von dem Essig, der steigt doch ein bisschen hoch und das ist dann immer. Mein Kollege sagt immer, wir müssen unser Geld unter Tränen verdienen und er hat gar nicht mal so unrecht.“

Julia Leiendecker: „Ja, geht mir heute ganz genauso, aber ein bisschen was erfahren wir trotzdem noch über die Mühle, denn es gibt hier nicht nur streng gehütete Geheimnisse.“

Senfmuseum mit unterhaltsamen Fürhungen

Nichtgeheim ist das Senf-Museum. Die Geschichten dazu werden mit einer Mischung aus Begeisterung und typisch norddeutschem Understatement erzählt, denn Detlef Golm stammt aus Schleswig-Holstein. „Wenn man diese Maische nimmt und zwischen solchen Steinen vermahlt, erst dabei setzen sich die ätherischen Öle frei, aber durch die Last der Steine konnte man auch die Festigkeit herstellen.“, erklärt Detlef Golm. „Wer möchte, der darf gerne mal hier vorne an den Kessel mit dem Mahlwerk rankommen.“

Nein danke - diesmal halt sich Julia Leiendecker dezent im Hintergrund. Die Mühle, die auf das Jahr 1810 zurückgeht, ist ein echter Publikumsrenner. In den Sommermonaten kommen bis zu 1000 Besucher am Tag! Unser Tipp: Schauen sie besser im Winter vorbei – dann ist das Ganze deutlich entspannter.

Wenn man sich das jetzt anschaut, das ganze Verfahren ist ja doch recht komplex, die Mühlesteine so zu entwickeln, wann ist man denn da drauf gekommen?“, fragt die Reporterin Detlef Golm. „Ja das kam in der Entwicklung, mit den Jahren. Immer wieder hat man das weiterentwickelt und dann ist man, nach unserem Wissen, 1810 hat man das nachher, vielleicht im 18 Jh. hat man das nachher so produziert, wie wir das heute machen.“

Probieren gehört natürlich dazu

Aber was wäre ein Besuch der Senfmühle, ohne selber zu kosten. Historischer Senf, Mühlen Senf, Riesling Senf oder Waben Senf – zum Angebot gehört sogar ein hauseigener Senf-Likör. Natürlich kostet auch Reporterin Julia Leiendecker: „So und das ist jetzt der Senf, auf den bin ich ganz gespannt, der soll ordentlich scharf sein – mal schauen, ob das auch stimmt, mal testen…“ Schärfer, als gedacht. Lars Gerckens, ein Mitarbeiter der Historischen Senfmühle, lacht, als Julia Leiendecker kurz nach Luft ringt und erklärt:

Der Mund hat erst noch mit der Säure zu tun und dann kommt er von hinten raus, ganz böse und gemein. Er lässt sie aber auch gleich wieder in Ruhe. Der wäre jetzt, wenn sie den so alleine probieren, hat der schon ne schöne Schärfe, aber wenn sie das jetzt mischen, in so Rouladen rein oder so, perfekt, dann ist schön pikant und nicht mehr ganz so extrem scharf, wie eben. Aber er lässt sie gleich wieder in Ruhe – sie können auch gerne mal von dem Wabensenf probieren, dann ist auch alles wieder weg.“

Zum Schluss macht Julia Leiendecker noch den Praxistest an der Würstchenbude: „Und was haben wir gelernt. Mit dem richtigen Senf – natürlich kalt gepresst – wird selbst die ordinäre Rostwurst zur echten Delikatesse.“

Adresse:

Historische Senfmühle Cochem
Stadionstraße 1
56812 Cochem
Telefon: 02671 / 607 665
Fax: 02671 / 607 667
E-Mail: info@senfmuehle.net
Internet: www.senfmuehle.net

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