Wims Grenzenlos: Nibelungenmuseum Worms. (Foto: SR)

Tour de Kultur: Das Nibelungenmuseum in Worms

Kaum eine Region in Deutschland ist so eng verknüpft mit mittelalterlicher Geschichte wie die Rheinebene. Zwischen Xanten und Speyer spielen sich die großen Sagen der Deutschen ab. Diejenige, die quasi zum Nationalepos der Deutschen geworden ist, das Nibelungenlied, stammt aus Worms und die Stadt hat ihr ein eigenes Museum gewidmet.

Reporter Michael Schneider ist in Worms unterwegs:

„Alte Kaiserstadt und Schauplatz von so vielen blutigen Legenden und Sagen. Die berühmteste davon ist wahrscheinlich das Nibelungenlied. Das ist ja sowas ähnliches wie das Nationalepos der Deutschen. Und diesem Mythos möchte ich heute ein bisschen nachspüren.“

Das Rütelin – Herzstück des Seh-Turms

Dem Nibelungenlied widmet sich seit gut 15 Jahren ein eigenes Museum, untergebracht in der alten Stadtmauer. Die erste Station ist hier der sogenannte Sehturm. Dominiert wird er von einer riesigen Skulptur, die die Kulturgeschichte des Mythos nacherzählt. Von Wagner bis zum Siegfried als Comic-Helden – das Nibelungenlied hat viele Facetten. Und manche Teile der Sage sind in der Populärkultur verschütt gegangen – auch das soll die Skulptur erzählen. „Das ist das Rütelin“, erklärt Dr. Olaf Mückain, der Museumsleiter des Nibelungenmuseums.

„Das Rütelin ist eine Art Szepter und gehört zum Nibelungenschatz. Es ist nicht ganz so bekannt, wie beispielsweise der Ring oder die Tarnkappe. Aber gerade darum war es eine Art Signal hier für das Nibelungenmuseum – etwas Besonderes.“
Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 09.01.2017, Länge: 5:15 Min.]
Tour de Kultur: Das Nibelungenmuseum in Worms

Museum fast ohne Exponate

Der Mythos Nibelungenlied wird hier auch als solcher inszeniert. Greifbare Exponate gibt es kaum zu sehen. Der Museumsleiter erklärt, warum:

„Jede gute Ausstellung erzählt eine Geschichte. Hier ist eben der Anteil der Geschichte und des Spannungsmoments in den Vordergrund getreten. Eben dadurch, dass es keine Realien gibt, die man zu den Nibelungen gesichert ausstellen könnte. Aus dieser Not kann man auch die Tugend der Freiheit gewinnen. Und wir hoffen, dass das hier im Nibelungenmuseum gelungen ist.“

Hinsetzen und Lauschen – Der Hör-Turm

Über den alten Wehrgang der Stadtmauer geht es zu Station 2, dem Hör-Turm. Drinnen taucht der Besucher ein in die unzähligen Kapitel der Sage. Reporter Michael Schneider nimmt mit einem Audio-Guide Platz auf einem der herrschaftlichen Holz-Throne:

„Viele Ausschnitte des Nibelungenlieds nochmal ganz in Ruhe zum Nachhören. Und weil mein Mittelhochdeutsch ehrlich gesagt ziemlich mies ist, ist es auch ganz gut, dass es das ganze hier in einer hochdeutschen Übersetzung gibt.“

Workshops für Kinder

Wie ist die Sage entstanden? Wer hat sie niedergeschrieben und wie viel Arbeit war das eigentlich? Das will das Museum auch erfahrbar machen. In Workshops begeben sich Schüler auf die Spuren des unbekannten Dichters und üben sich in mittelalterlicher Schreibkunst - klassisch mit Feder und Tusche. Für die Schüler schon eine Herzausforderung:

  • „Wir sind es jetzt komplett anders gewöhnt, wir schreiben mit Füller, können wegkillern. Wir können aber auch mit Kuli schreiben, was ja auch angenehmer ist. Und so ist es schon ein bisschen schwer.“

  • „Manchmal können so Tropfen aufs Blatt kommen. Dann sieht es nicht so schön aus, und deswegen muss man da aufpassen.“

  • „Für mich ist es jetzt eher so ein Malen der Buchstaben. Und für die war es ja mehr wie halt unsere Schreibweise einfach.“

„Es ist schwierig. Man versteht vielleicht ein paar Wörter. Aber nicht alles.“

Im Keller – Das Mythenlabor

Sehen, Hören, Ausprobieren – das ist das Konzept, mit dem das Museum den Mythos zum Leben erwecken will. Am Ende des Rundganges geht es hinunter in die Katakomben. Hier, im Mythenlabor, darf der Besucher selbst aktiv werden und der Legende auf den Zahn fühlen. Zusammen mit Museumsvermittlerin Ulrike Standke klickt und wischt sich Michael Schneider durch die Geschichte des Nibelungenlieds. So kann man sich in Aspekte vertiefen, die einen besonders interessieren. „Hier im Mythenlabor können Sie einfach nochmal ein bisschen spielerischer mit dem Thema umgehen“, sagtMuseumsvermittlerin Ulrike Standke. „Es ist sicherlich nochmal ein Raum, wo der Besucher auch ein bisschen zur Ruhe kommt.“

Das Fazit unseres Reporters Michael Schneider:

„Für mich geht es zurück in die Oberwelt. Und ich nehme jede Menge neue Erkenntnisse mit über den Mythos Nibelungenlied. Und wenn ich jetzt gleich zurücklaufe durch die Wormser Altstadt, dann sehe ich natürlich an jeder Ecke die originalen Schauplätze aus der Sage. Das heißt, die Stadt erscheint dann wahrscheinlich in einem ganz neuen Licht.“

Adresse Nibelungenmuseum Worms

Fischerpförtchen 10
67547 Worms

Telefon: (0 62 41) 8 53 - 41 20
Fax: (0 62 41) 8 53 - 41 29
Email: nibelungenmuseum@worms.de
Internet: www.nibelungenmuseum.de

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