Wissembourg (Foto: SR)

Tour de Kultur: Rund um die ehemalige Benediktiner-Abtei in Wissembourg

Die Kirche St. Peter und Paul steht mitten im Zentrum von Wissembourg und gehört zum ehemaligen Benediktiner Kloster der Stadt. Darin fand man ein Kirchenfenster mit der ältesten figurativen Darstellung der Welt, die noch komplett erhalten ist. Außerdem verfassten die hier ansässigen Mönche im Mittelalter eine gereimte Zusammenfassung der Evangelien in Althochdeutsch – noch heute bedeutend für Germanisten. Und nicht zuletzt geht sogar der Name der Stadt auf das Kloster zurück.

Fachwerkhäuser, schmale Gassen und typisch elsässisches Flair, das gibt es in Wissembourg zu Hauf und das sieht man auf den ersten Blick. Aber Colette Moog von der Touristeninformation kennt auch die Besonderheiten der Stadt, die manchmal etwas versteckt sind. Unsere Reporterin Anna Becker macht mit ihr zusammen einen Spaziergang rund um ein ehemaliges Benediktinerkloster. Es ist sehr wichtig für Wissembourg und hat der Stadt sogar ihren Namen gegeben, erzählt Colette Moog: „Der Name Weißenburg, der kommt… Im Mittelalter sagte man, es wäre die Burg der Weisheit oder des Wissens. Aber der richtige Ursprung kommt wahrscheinlich, weil das Kloster wurde auf einem Acker gebaut. Und der gehörte einem Mann namens Wisou und so wurde es Wizenbourg, Wissembourg auf Französisch. Weil eine weiße Burg hat man keine gefunden hier.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 19.12.2016, Länge: 6:14 Min.]
Tour de Kultur: Rund um die ehemalige Benediktiner-Abtei in Wissembourg

Das Salzhaus

Collette Moog lebt in Wissembourg und kann zu fast jedem Haus etwas erzählen. Und so bleibt die Reporterin schon an der nächsten Ecke wieder mit ihr stehen, um eine der bekannteren Touristenattraktionen zu bewundern. Ein ehemaliges Hospital, das später als Salzlager genutzt wurde. Daher auch sein Name: Salzhaus.

Abteikirche Sankt Peter und Paul

Die Abteikirche Sankt Peter und Paul ist die zweitgrößte Kirche im Elsass, nach dem Straßburger Münster. An ihren beiden Türmen erkennt man die verschiedenen Bauphasen: Auf der Westseite der viereckige Turm im Stil der Romanik, auf der Ostseite der verspieltere gotische Turm. Da das Dach der Seitenschiffe sehr hoch ist, sind die Fenster des Hauptschiffes kleiner als in vielen anderen gotischen Kirchen und der Innenraum ist sehr dunkel. Die alten Glasfenster, zum  Beispiel die große Rosette aus dem 13. Jahrhundert, kommen dadurch besonders gut zur Geltung.

Fresko des Heiligen Christophorus

Es lohnt sich dennoch, fünfzig Cent zu investieren, um das Licht anzuschalten die alten Fresken an den Wänden besser zu sehen. Vor allem das majestätische Bild des Christophorus. Der Heilige ist beeindruckende elf Meter hoch und Colette Moog weiß auch warum: „Der Heilige Christophorus war im Mittelalter der Heilige für die Wanderer. Und so sagte man, wenn man ihn sieht, so kommt man heil zum Ziel. Deswegen hat man ihn groß gemalt und so konnte man ihn von weitem sehen. Auch in der Legende war es ein Riese. Er hat dem Kind Jesus geholfen, über den Fluss zu gehen. Deswegen dieser Name Christophorus, „der Christus trägt“. Und Sie sehen, unter den Füßen haben Sie dann den Fluss, weil er über den Fluss gegangen ist. Auf der rechten Seite ist dann noch ein kleiner Mönch. Und das zeigt dann den Unterschied zwischen großem Heiligen und zwischen einfachem Mensch.“

Romanische Kapelle

Der gotische Kreuzgang neben der Kirche hat leider nur eine Galerie. Er wurde nie fertig gebaut - aus Geldnot. In der unscheinbaren Kapelle daneben: das angeblich älteste figurative Glasfenster, das noch komplett erhalten ist. Auch von der Kopie herab sieht uns Jesus eindringlich an; das kostbare Original aus dem 11. Jahrhundert wird in Straßburg verwahrt. Was in dieser Kapelle auch auffällt, sind die merkwürdige Form der Säulen. Sie sehen aus, als hätte ein Riese ein Stück daraus heraus gebissen. „Diese Kapelle wurde später, als hier kein Koster mehr war, als Keller genutzt“, erzählt Collette Moog. „Von einer Weinkellerei. Und die haben dann hier die Fässer gelagert Und die waren ein bisschen groß. Und dann hat man die Pfeiler eingesägt. Und so konnte man hier die Fässer lagern.“

Wiege der deutschen Literatur

In einer Seitenstraße erinnert ein Relief an den mittelalterlichen Dichter Otfried von Weißenburg. Damals war das Kloster ein bedeutendes Zentrum der Kultur und Wissenschaft. „Der Mönch Otfried lebte hier im 9. Jahrhundert“, weiß unsere Gästeführerin.„Er hat die Evangelien in Althochdeutsch zusammengefasst, in Versen, die sich reimten. Das ist das erste Buch in Althochdeutsch mit Endreimen. Das Buch heißt „Der Christ“ oder „Die Evangelienharmonie“. Und ist ein Ursprung der deutschen Literatur.“

Knecht Ruprecht des Elsass‘

Im Viertel Bruch erzählt Colette Moog die Legende von Hans Trapp, dem Knecht Ruprecht des Elsass‘. Hans von Trotha, wie er im 16. Jahrhundert richtig hieß, war Raubritter und lebte auf der etwa 15 Kilometer entfernten Burg Berwartstein bei Dahn. Er lag im Streit mit dem Abt des Klosters und um diesen zu ärgern baute Hans von Trotha im Wald einen Staudamm in die Lauter, damit kein Holz mehr in die Stadt transportiert werden konnte. „Am Ende wurde er trotzdem gezwungen, den Stau aufzumachen“, sagt Colette Moog. „Er hat das aber auf einmal gemacht und hat das ganze Viertel unter Wasser gesetzt. Und so war er so böse geblieben in der Erinnerung, dass man den Kindern Angst macht und sagt: Der Hans Trapp kommt und nimmt die bösen Kinder mit.“ Aber nicht an Nikolaus wie Knecht Ruprecht bei uns, sondern an Weihnachten. Hans Trapp ist nämlich der dunkle Begleiter des Christkinds.

Nach so viel Weihnachts- und Wintergeschichten, Bewegung an der frischen Luft und Kultur in kalten Kirchen, braucht man – zumindest im Winter – etwas zum Aufwärmen. Das ist kein Problem in Wissembourg, denn im Zentrum gibt es mehrere Cafés, wo man einkehren kann. Die Stadt mit ihren kirchengeschichtlichen Besonderheiten ist einen Ausflug wert.

Adresse
Office de Tourisme de Wissembourg
11, place de la République
67163 Wissembourg Cedex
Frankreich
Tel : 0033 388 94 10 11
Fax :0033 388 94 18 82
Mail : info@ot-wissembourg.fr
www.ot-wissembourg.fr

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