Foto: SR/Emmanuele Contini

"Mach einfach dein Ding!"

Ein Interview von Cathy Huyer  

Am 12. Oktober startet im Ersten die Late-Night-Show "Ratzkes Rendezvous". SR.de hat der Künstler im Interview verraten, welche Promis er zum Rendezvous bittet, warum er kein Moderator sein will und worauf man sich in seiner neuen Show freuen kann.

"Ratzkes Rendezvous" ist eine neue Late-Night-Show, die der  Entertainer Sven Ratzke, zusammen mit dem Saarländischen Rundfunk, für das Erste entwickelt hat. In jeder Folge trifft sich der Künstler mit zwei prominenten Gästen zum Rendezvous. Ort des Treffens ist immer die "Bar jeder Vernunft", ein Kabarett-Theater in Berlin. Der geborene Gastgeber Sven Ratzke will seine Gäste auf eine andere Art kennenlernen, deshalb gibt es bei ihm nicht nur "Talk", sondern auch Musik.  

SR.de: Herr Ratzke, was ist das Besondere für Sie an dem Konzept Ihrer Show?

Sven Ratzke: Ich werde im Gegensatz zu meinen Bühnenshows diesmal keine Rolle spielen, sondern bin eigentlich ich selbst.

Ich habe diesen holländischen Elan und dadurch ist die Kommunikation mit dem Publikum und mit den Gästen quasi auch nur "halb deutsch". Ich will deutsche TV-Konzepte gar nicht kritisieren, aber es gibt entweder ernste Talksendungen oder Satiresendungen. Bei uns wird das einfach ein Miteinander sein, wie der Name schon sagt, ein Rendezvous. Da ist nichts geprobt, das ist alles spontan und was man in der Sendung sieht, ist auch so passiert. Es wird nicht viel geschnitten. Die Aufnahme dauert eine Stunde und es wird eine Stunde gesendet. Da sind dann natürlich auch Pannen drin, aber so ist das Leben.

12. Oktober - 23.30 Uhr, Das Ersten
Ratzkes Rendezvous
„Ratzkes Rendezvous“ ist eine neue Late-Night-Show im Ersten, moderiert und gestaltet von Sven Ratzke. In seiner ersten Sendung begrüßt er Katharina Thalbach, Gustav Peter Wöhler und Marius Müller-Westernhagen.

SR.de: Was für Gäste haben Sie in Ihre Show eingeladen?

Ratzke: Für mich ist es wichtig, Gäste auszuwählen, die ich interessant finde. Das kann von Mainstream bis Underground gehen. Da gibt es sehr viele verschiedene Künstler. Sie müssen also gar nicht unbedingt Musik machen oder ständig im Fernsehen sein.

Ich glaube, das Spannende ist die Interaktion vor der Kamera. Nicht nur ich habe mit meinen Gästen ein Rendezvous, sondern diese zwei Leute auch miteinander.

SR.de: Wie bringen Sie Ihre Gäste dazu, sich im Gespräch mit Ihnen zu öffnen?

Ratzke: Das Ganze findet ja auf einer kleinen Bühne statt. Dieses Spiegelzelt hat eine kuschelige Atmosphäre, wo man ganz man selbst sein kann.

Meret Becker hat mir nach der Sendung gesagt, dass sie mir Dinge erzählt hat, die sie so noch nie in einer Talkshow erzählt hat. Es gibt Champagner und Häppchen - das trägt zu einer lockeren Atmosphäre bei. Wir Künstler tragen in der Öffentlichkeit und den Medien gegenüber als Schutz häufig eine Art Maske. Ich glaube, dass diese Masken in unserer Sendung manchmal fallen und man den echten Menschen dahinter kennenlernt. Es ist mein Ziel, die Leute auf eine andere Art kennenzulernen. Dabei hilft mir das Konzept der Show. Es ist eher so, als gingen wir zusammen in eine Bar zum Quatschen, als dass wir steif in Sesseln sitzen, wie in den üblichen Talkshows. Es ist bei uns natürlich nicht alles nur frivol und verrückt. Es werden auch mal ernste Fragen gestellt, aber es hat ein anderes Feeling.

 (Foto: SR/Emmanuele Contini)

SR.de: Das klingt so, als ob Sie in der Show viele Freiheiten hätten? 

Ratzke: Ja, das liegt vor allem an der Zusammenarbeit mit dem SR. Der Saarländische Rundfunk ist ein sehr sympathischer Sender, weil er so klein ist und es hier noch so viel Ehrgeiz gibt, etwas Neues zu schaffen. Wir haben uns da wirklich gefunden. Der Sender hat gesagt: "Mach einfach dein Ding, wir stehen hinter dir". Das ist eigentlich wie bei Leuten wie Hape Kerkeling oder Rudi Carrell, die sich ihre Sendungs-Formate noch selbst ausgedacht und nicht nur als Moderator fungiert haben. Denn das wollte ich nicht. Ich würde mich nie einen Moderator nennen. Ich bin Sven Ratzke und mache die Sachen, auf die ich Bock habe. Wenn ich mich wohlfühle, dann werden sich die Gäste auch wohlfühlen und die Zuschauer natürlich auch. Das ist es auch, was mir im Fernsehen oft fehlt. Diese Spontaneität.

SR.de: Ist es nicht schwierig, Medienprofis wie zum Beispiel Marius Müller-Westernhagen dazu zu bringen, sich auf eine Show einzulassen, bei der sie nicht wissen, was sie erwartet?

Ratzke: Ich habe ja erst zwei Sendungen gemacht, aber ich muss sagen, bisher hat noch keiner der Gäste irgendwie verklemmt reagiert. Meret Becker war unglaublich nervös zu Beginn, da sie noch nicht wusste, was sie erwartet. Aber nach der Sendung hat sie mir gesagt, wie viel Spaß es ihr gemacht hat. Ich will die Leute ja auch nicht lächerlich machen oder in komische Situationen bringen. Es ist wie bei einem "Blind Date", man will die Person kennenlernen.

Ich mag die Personen ja auch schon im Vorhinein und finde das, was sie künstlerisch macht, interessant. Ich habe viel Respekt vor Menschen, die ihr eigenes Ding machen und ich glaube, dass es deshalb funktioniert. Die Leute kommen ja nicht schon Stunden vorher, sondern kurz vor der Sendung und los geht’s! Der Alkohol hilft da natürlich auch.

SR.de: Vielen Dank für das Gespräch.       

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