kulturspiegel (21.09.2016)

kulturspiegel

 

Der kulturspiegel besucht diese Woche die Ausstellung Klangkunst in der Saarbrücker Stadtgalerie, sah sich das Theaterstück " Andorra" am Staatstheater an und erklärt den Graphic Recorder.

Sendung: Mittwoch 21.09.2016 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Theaterszene Andorra (Foto: SR)

Ausländerhass und Zivilcourage

Max Frischs Theaterstück „Andorra“ zeitgemäß inszeniert

Es ist ein wichtiges Stück, es ist ein engagiertes Stück, und ja: Es ist einfach noch einmal an der Zeit, Max Frischs „Andorra“ zu spielen. Das Saarländische Staatstheater hat es als Saisoneröffnung auf den Spielplan gesetzt. Wer denkt bei all den antisemitischen Ressentiments, die im Theaterstück „Andorra“ beleuchtet werden, nicht an die grassierenden fremdenfeindlichen Reflexe den Flüchtlingen gegenüber. Es geht um einen jungen Mann, der sich aufgrund von Ausgrenzung und Vorurteilen krampfhaft an einer kulturellen Identität festhält, die ihm aufgenötigt wurde: Andri hält sich für einen Juden, ist aber gar keiner. Am Ende wird er in einem rassistischen Akt ermordet. Seine Mitbürger lassen dies einfach geschehen und stimmen ein in einen Chor der Selbstrechtfertigung. Wie steht es um die Zivilcourage? Ist man Fremder oder wird man zum Fremden gemacht? Das Stück aus den frühen  Sechzigerjahren birgt sozialen Sprengstoff, auf den Uwe Loebens seinen analytischen Blick wirft.


Nebel im August

Nach einer wahren Begebenheit - Süddeutschland. Anfang der 1940er-Jahre. Der 13-jährige Ernst Lossa ( Ivo Pietzcker), Sohn fahrender Händler und Halbwaise ist ein aufgeweckter aber unangepasster Junge. Die Kinder- und Erziehungsheime, in denen er bisher lebte, haben ihn als "nicht erziehbar" eingestuft und schieben ihn schließlich wegen seiner rebellischen Art in eine Nervenheilanstalt ab. Nach kurzer Zeit bemerkt er,dass unter der Klinikleitung von Dr. Vaithausen( Sebastian Koch) Insassen getötet werden. Er setzt sich zur Wehr und versucht, den behinderten Patienten und Mitgefangenen zu helfen. Schließlich plant er die Flucht, gemeinsam mit Nandl, seiner ersten Liebe. Doch Ernst befindet sich in großer Gefahr, denn Klinikleitung und Personal entscheiden über Leben und Tod der Kinder....

"Nebel im August" ist ein bewegendes Drama über die grausame Vorkommnisse während der NS-Zeit und gleichzeitig die authentische Geschichte von Ernst Lossa, der sich mutig gegen ein menschenverachtendes System wehrte. Zwischen 1939 und 1944 wurden in Folge des Euthanasie- Programms in den deutschen Nervenkliniken mehr als 200.000 Menschen ermordet. Ein lange verdrängtes Kapitel der deutschen Geschichte, das in der Erinnerungskultur zum Nationalsozialismus bisher nur am Rande vorkam. "Nebel im August" entstand nach dem wahren Schicksal des 13-jährigen Jungen, der als "asozial" eingestuft in einem bayerischen Klinikum eingesperrt und 1944 dort umgebracht wurde.


Ausstellungsobjekt Klangkunst (Foto: SR)

Zurück zu den Anfängen?

Die Saarbrücker Stadtgalerie zeigt Pioniere der Klangkunst

Es ist schon eine Weile her, dass darüber gestritten wurde, was Musik ist und welche Klanganordnungen Kunst sind. Klar, das barg vor Jahrzehnten reichlich Konfliktpotenzial, denn die hehren Hüter der klassischen Musik wollten ihr Hoheitsgebiet der reinen Kunst nicht so einfach teilen. Sei es mit Avantgardekomponisten oder auch bildenden Künstlern, die lustvoll und experimentierfreudig mit unterschiedlichen Arten spielten, kunstvolle Klänge zu machen. Schon früh hat sich die Saarbrücker Stadtgalerie mit diesen Spielarten noch nicht etablierter Musik auseinandergesetzt und sich durch gezielte Förderung der Klangkunst große Anerkennung erarbeitet. So gesehen kehrt das Museum ein wenig zu seinen Anfängen zurück, denn Max Eastley und Martin Riches gehören mit ihren Musikmaschinen, klanglichen und visuellen Installationen zu den Pionieren der Klangkunst. Harriet Weber-Schäfer hat sie und ihre Ausstellung „Two Measures of Time“ in Saarbrücken besucht.


Graphic Recorder  (Foto: SR)

"Denken mit dem Zeichenstift"

Wie Graphic Recorder" helfen, komplexe Themen mit der Sprache der Bilder zu erklären

Matthias Schwert ist Graphic Recorder. Er setzt das, was auf Veranstaltungen und Konferenzen gesprochen wird, in visuelle Protokolle um - und das live und simultan. Das Ergebnis: meterlange Wimmelbilder mit comic-haften Szenen, die jeder lustig findet und alle verstehen.

Was in den USA und Großbritannien schon lange ein Hit ist, kommt jetzt auch ins Saarland. Matthias Schwert ist bei einer Veranstaltung der Verbraucherzentrale im Saarbrücker Schloss im Einsatz. Das Thema: Vertragliche Grundlagen für die ambulante Pflege. Hört sich trocken und kompliziert an. Doch genau dann wird es spannend für Matthias Schwert.

„Graphic Recording ist nicht nur schönes Brimborium, sondern ein echtes Werkzeug, mit dem Menschen zusammen denken und kommunizieren können.“ Ob er die Gedanken der Saarländer synchronisieren kann, weiß Isabel Schaefer. Sie schaut ihm beim Simultanzeichnen über die Schulter.


Moderation: Patricia Brever

 (Foto: SR)


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