Totale Stille

Sabine Janowitz   21.01.2014 | 14:08 Uhr

Eigentlich ist ein ganz normaler Tag an der Berliner Carl-Friedrich-Gauß-Universität. Doch plötzlich fallen Schüsse. Zwei Amokläufer haben das Feuer eröffnet. Viele Studenten schaffen es nicht, aus dem Gebäude zu entkommen und verschanzen sich in Seminarräu­men und Vorlesungssälen. Schicksalhaft sind sie miteinander verbunden, aber sie wissen es nicht.

Eine junge Frau, die von ihrem Freund verlassen wurde, wird von ihrem Psychiater gedrängt, sich zu wehren und sogar Gewaltfantasien zuzulassen. Eine ganz offensichtlich frustrierte langjährige Ehefrau schlägt ihrem Mann fast unbemerkt beim Frühstück die Scheidung vor. Eine wütende junge Frau schlägt ein Loch in ihre Windschutzscheibe, weil jemand ungefragt begonnen hat sie zu putzen. So geht es noch eine Weile weiter in Zarah Ziadis Hochschul-Abschlussfilm “Totale Stille”.

Wie in Robert Altmans Meisterwerk “Short Cuts” fächert sie zu Beginn in einzelnen Episoden die Geschichten ihres Films auf und charakterisiert ihre Protagonisten. Der Zuschauer begegnet all diesen Menschen bald wieder: An der Berliner Carl-Friedrich-Gauß-Universität, die zum Schauplatz eines Amoklaufs wird. Die beiden Täter: Stephan und Jakob. Stefan ist der entschlossenere von beiden. Seine Arbeit wurde von Professoren der Hochschule abgelehnt haben, weil sie zu fanatisch war. Jakob ist eher ein Mittäter, ein einsames Mobbingopfer. Stefans eigentliches Ziel, den Uni-Präsidenten und den verantwortlichen Professor aus Rache zu töten, erreichen sie nicht. Stattdessen sterben Unschuldige, und während die meisten Studenten fliehen können, verschanzen sich die zu Schicksalsgemeinschaften zusammengewürfelten Protagonisten. Immer wieder fallen Schüsse. Fluchtversuche scheitern, persönliche Beziehungen zerbrechen oder bahnen sich an.

Wann läuft der Film?

Dienstag: 22.30 Uhr CineStar
Donnerstag: 14.00 Uhr CineStar
Freitag: 20.00 Uhr Filmhaus
Sonntag: 15.00 Uhr CineStar

Gewaltszenen nicht im Mittelpunkt

“Totale Stille” ist in mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Film. Er ist nicht nur der Abschlussfilm der Regisseurin Zarah Ziadi, sondern des kompletten Jahrgangs der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam. Das Ziel, alle einzubinden und allen Schauspielstudenten ähnlich großen Raum zur Entfaltung zu geben, hätte zu einem fürchterlich konstruierten Film führen können. Erstaunlicherweise geht das Konzept aber auf; nicht zuletzt vielleicht, weil das Drehbuch von einem erfahrenen Filmemacher stammt, der sich intensiv mit dem Amoklauf in Erlangen beschäftigt hat.

Gezeigt wird fast ausschließlich das Innere des Gebäudes, die Entwicklung des Polizeieinsatzes interessiert nicht. So ist es für den Zuschauer über weite Strecken des Films überraschend still; Regisseurin Zarah Ziadi schneidet die Gewaltszenen nicht im Zeitraffer zusammen, sondern beobachtet die unsicher werdenden Täter und die sich versteckenden Protagonisten. Kamera und Gestaltung halten sich mit Horrorszenen angenehm zurück; es geht nie um direkte Gewaltdarstellung und es geht nicht nur um die Motive der Täter oder gar die Schuldfrage. Anhand der Entwicklung der einzelnen Episoden zeigt “Totale Stille” eine kranke Gesellschaft, in der sich jeder dem Druck auf seine Weise beugt.      

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